100 Jahre Stress

Stress – ein zentraler Begriff unserer Gesellschaft

Der Begriff Stress hat sich in der heutigen Zeit zu einem zentralen Begriff unseres gesellschaftlichen Lebens entwickelt. Uns stehen zunehmend mehr technische Hilfsmittel zur Verfügung, welche unser Leben erleichtern. Gleichzeitig wird unsere Zeit immer knapper und unser Leben zunehmend schneller. Berufliche, gesundheitliche, spirituelle, gesellschaftliche, politische und auf Selbstverwirklichung gerichtete Ziele konkurrieren um die knapper werdende Zeit. Die vielschichtigen Belastungen und Konflikte, welche wir in den verschiedensten Lebensbereichen erleben, lassen uns zunehmend häufiger ausrufen: “Ich bin ganz schön gestresst!” oder “So ein Stress!”. Dabei wussten vor 100 Jahren die meisten Menschen noch nicht einmal, was dieses Wort bedeutet.

“Viele von uns verdienen ihr Geld in einem Beruf, der ihnen keinen Spass macht, damit sie sich Dinge kaufen können, die sie eigentlich nicht brauchen, aber damit Leute beeindrucken wollen, die sie nicht leiden können.” (sinngemäßes Zitat unbekannter Herkunft)

Natürlich können wir unseren Beruf nicht immer frei wählen. Uns steht aber offen, unsere Achtsamkeit auf die Bereiche unserer Tätigkeit zu lenken, welche wir besonders gut können oder schätzen. Wir haben die Wahl, uns die Dinge zu leisten, die uns persönlich wichtig sind und die Zeit mit den Menschen zu verbringen, die uns gut tun. Das wäre ein wichtiger Schritt in Richtung Burn-out Prophylaxe.

 Die Herkunft des Begriffs Stress

Walter Cannon verwendete den Begriff Stress erstmals 1914. Damit wurden Alarmsituationen bezeichnet, welche zu einer Flucht- oder Angriffsreaktion (Flight-or-fight) führen. 22 Jahre später bezeichnete Hans Selye damit den körperlichen Belastungszustand, welcher durch Anspannung und Widerstand gegen äußere Stimuli (sogenannte Stressoren) gekennzeichnet ist. In Anlehnung an diese Begriffsbestimmung versteht man heute unter Stress einen durch spezifische äußere Reize (Stressoren) hervorgerufene psychische und physische Reaktionen, welche zur Bewältigung besonderer Anforderungen befähigen. Zudem wird damit auch die dadurch entstehende körperliche und geistige Belastung beschrieben. (vgl. wikipedia).

In einer akuten Gefahrensituation ermöglichen uns diese Reaktionen Ressourcen zu aktivieren, um zu Flüchten oder zu Kämpfen (Laufen-oder-Raufen). Sind wir über längere Zeit belastenden Situationen ausgesetzt, haben die Stressreaktionen zur Folge, dass körperliche und geistige Krankheiten entstehen können. Unter anderem Herzinfarkt oder eine schwere depressive Episode mit vegetativem Erschöpfungszustand können die Folge sein.

Die Ursache für Stress

Verschiedenste Zeitmanagement-Trainings versprechen uns, dass es lediglich eine Frage der Organisation und der Strukturierung ist, um all unsere Ziele unter einen Hut zu bekommen. Thomas Hohensee beschreibt in seinem Buch “Der Buddha hatte Zeit” als die wichtigste Ursache für den Stress unserer Zeit die Gier, das unstillbare Verlangen nach MEHR: “Warum sollen wir uns denn auch mit weniger als dem PERFEKTEN zufriedengeben? Das Leben, das wir haben ist schließlich das einzige!” Auf der Jagd nach MEHR verlieren wir dabei schnell aus den Augen, welches Glück wir jetzt in diesem Augenblick erleben dürfen. Das Glück, das vielleicht nicht perfekt ist, aber hier und jetzt stattfindet.

Thomas Hohensee beschreibt folgende Geschichte: ” Ein Mann mag nicht mehr warten. Er wünscht sich eine Möglichkeit, alle Wartezeiten abzuschaffen. Und tatsächlich wird ihm der Wunsch erfüllt: Er erhält eine Zauberuhr. Wenn er die Zeiger weiterdreht, kann er die Zeit beschleunigen und auf diese Weise die lästigen Wartezeiten abkürzen. Von nun an macht er eifrig Gebrauch von seiner Zauberuhr – mit dem Resultat, dass sein Leben in drei Wochen zu Ende ist.” (Thomas Hohensee, Der Buddha hatte Zeit, S. 63)

Machen Sie den Stresstest

Werner Stangl (ret. Assistenzprofessor für Pädagogik und Psy

chologie, Universität Linz) entwickelte einen Stresstest mit dem Sie Ihr aktuelles Ausmaß an Stressbelastung ermitteln können. 

 

Wer sind wir und warum haben wir diesem Blog gemacht?

Relax your way

Wer sind wir und warum haben wir diesem Blog gemacht?

Wir sind zwei klinische Psychologen und wollen mit diesem Blog über die Vielfältigkeit von Entspannungsübungen und deren Einsatz informieren. Im Laufe unserer Arbeit als Psychologen haben wir in Betrieben, Reha-Kliniken und Psychiatrien viele Erfahrungen gesammelt. Eine Gemeinsamkeit war dabei immer deutlich: Viele Mitarbeiter, Patienten und Kollegen fühlen sich überlastet und ausgebrannt. Sie suchen nach Entspannungsübungen, die Ihnen helfen beispielsweise am Abend nach der Arbeit zur Ruhe zu kommen, oder um während hitzigen Gesprächen einen kühlen Kopf zu bewahren. Häufig scheitert so eine Suche bereits in den Anfängen, da nach wenigen Versuchen häufig resignierend festgestellt wird:

“Die Übung XY mag ja bei dir gut funktionieren, bei mir hilft sie leider rein gar nicht. Im Gegenteil, ich bin danach eher noch geladen weil die Übung mich nervt.”

Dabei wird häufig vergessen, dass nicht jede Entspannungsübung für jeden Menschen gleichermaßen nutzbringend ist.

Ein Beispiel: Ein Patient erzählt, dass er sich immer gut während der Arbeit im Garten entspannen konnte. Aufgrund einer körperlichen Erkrankung ist dies jetzt aber leider nicht mehr möglich. Seit dem habe er auch starke Probleme mit dem Einschlafen und fühle sich nicht ausgelastet. Die Erfahrung zeigt, die Wahrscheinlichkeit, dass sich solch ein Patient auf eine Meditation oder Autogenes Training einlassen kann ist eher gering. Viel besser sollte eine körperbetonte Form der Entspannung wie die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson in diesem Fall passen.

Um eine grobe Richtlinie für sich zu finden, welcher Entspannungstyp man ist haben wir den Test auf dieser Seite entwickelt. Mit unserem 52-Wochenprogramm der Entspannung lernen Sie jede Woche eine neue Entspannungsübung kennen. Dabei werden Sie feststellen, wie unterschiedlich diese Übungen bei Ihnen wirken und hoffentlich auch einige hilfreiche Übungen für sich finden, ganz nach unserem Motto: “Relax your way”.

 

 

M.Sc. Psych. Michael Knodt

Studium der Psychologie (Master of Science) mit den Schwerpunkten Klinische Psychologie und Arbeits- und Organisationspsychologie. Seit 2012 in der neuropsychologischen Rehabilitation tätig. Seit 2016 Doktorand und Psychologischer Psychotherapeut i.A.

Forschungsschwerpunkte: Mensch-Maschine-Kommunikation, Intervention bei neuropsychologischen Störungen mit Hilfe virtueller Realitäten.

 

Dipl. Psych. Dr. phil. Günter Neumann

Staatlich examinierten Krankenpfleger. Studium der Psychologie (Dipl.-Psych.) mit den Schwerpunkten Klinische Psychologie und Klinische Neuropsychologie. Seit 2005 tätig als Psychologe in einer neurologischen Rehabilitationsklinik. Weiterbildung zum Klinischen Neuropsychologen (GNP). Promotion mit dem Thema zerebrale Sehstörungen. Jahresausbildung in gewaltfreier Kommunikation. Deeskalationstrainer ProDeMa.

Aktueller Forschungsschwerpunkt: Therapeutische Interventionen bei neuropsychologischen Störungen.

 

Eines ist uns noch wichtig:

Menschen die unter Depressionen, Ängsten, Zwängen, oder Psychosen leiden sollten generell dringend einen Arzt und psychologischen Psychotherapeuten aufsuchen und nicht alleine auf Entspannungsübungen setzen. Ebenso sollten Menschen die unter Hypotonie (zu niedrigem Blutdruck) leiden Entspannungsübungen nur unter ärztlicher Aufsicht durchführen.